History

Die Geschichte der „Hütten-Apotheke“
Aus dem Text von Ursula Kühling
Es war das Jahr 1938….
Herr Matthias Schoemann, Vater von Frau Ursula Kühling , übernahm die Leitung einer Zweigapotheke in Duisburg Hüttenheim(Mutterapotheke war die Rhenania –Apotheke in Duisburg Buchholz).Diese Filiale befand sich in der Gaststätte Lösken, Mündelheimer –Ecke Ehinger Straße.
Die Bevölkerung war damals dankbar, eine „Kleinst-Apotheke“ erhalten zu haben, um in wirklichen Notfällen rasche Hilfe zu finden.
Medizinische Versorgung wurde durch die praktischen Ärzte Herrn Dr. Werner Neyen und Herrn Dr. Peter Dahm senior sowie zahnärztliche Versorgung durch den Dentisten Herrn Grenz gewährleistet.
Durch die Hebamme Frau Käthe Hellenbrandt wurden Schwangere und Neugeborene betreut.
Ende 1938 erhielt Herr Schoemann von der Regierung die Konzession für eine Vollapotheke, mit der Auflage, dass innerhalb einer bestimmten Frist das Apothekengebäude mit allen betrieblich notwendigen Räumen bezugsfertig sein muss. Aufgrund der Kriegsvorbereitungen konnte der Termin bis Ende des Jahres 1938 nicht eingehalten werden. Man trat ins Gespräch mit Herrn Dr. Cordes, Direktor der Mannesmann-Röhrenwerke .Dieser erkannte, dass es notwendig wäre, eine Apotheke in der sogenannten Apothekenkolonie zu errichten. Im März 1940 konnte die Apotheke fertiggestellt werden. Somit war die Versorgung der Bevölkerung von Hüttenheim und Huckingen mit Medikamenten garantiert. Der Name „Hütten-Apotheke“ kam durch die Nähe zur Hütte zustande.
Eine eingemeißelte Skulptur in der Hauswand über dem ersten Apothekenschaufenster wird immer an eine Apotheke erinnern. Ein begabter Maler des Hüttenwerkes erstellte ein sehr schönes Gemälde aus der Stahlproduktion, welches heute Seltenheitswert hat. Da die „Hütten-Apotheke „ die einzige am Ort war, hatte sie auch immer Notdienst, das hieß sie war Tag und Nacht dienstbereit.
Die erste Kundin die die Apotheke 1940 betrat war eine kräftige, ältere Frau. Sie benötigte dringend einige Medikamente. Als sie bezahlen wollte fand sie ihre Geldbörse nicht .Sie hatte diese zu Hause liegen gelassen. Mit den Worten „Nun leck mich aber fett“ äußerte sie ihren Unmut.
Der Apotheker Herr Schoemann musste etwas schmunzeln und bat der Kundin an, das Geld später zu bezahlen. Er fragte nach Namen und Adresse. „Ich heiße Schlotterhose“ sagte die Dame.
Lauthals lachte Herr Schoemann, da er diesen Namen noch nie gehört hatte. Aus dieser Episode wurde eine langjährige Freundschaft.
Nun hatte der Krieg begonnen, und die Versorgung mit Medikamenten wurde immer schwieriger.
Die Bombenangriffe, bedingt durch die Nähe zum Hüttenwerk, hatten die Bevölkerung seelisch und körperlich entkräftet. Viele Leute bekamen chronische Erkrankungen, da sie durch den häufigen Bombenalarm ihre Krankheiten nicht auskurieren konnten. Der Mangel an Medikamenten wurde immer deutlicher. Durch die Zwangsarbeiter, die auf dem Werksgeländes der Mannesmann-Röhrenwerke lebten wurden auch immer mehr Seuchen, fieberhafte Durchfälle, Hautkrankheiten, Läuse und Flöhe verbreitet. Zu dieser Zeit erhielt die Apotheke nur noch ganz geringe Zuweisungen an Arzneimitteln durch die pharmazeutischen Großhandlungen. Man stand vor einem Chaos. Ärzte und die Apotheke konnten der Bevölkerung nicht mehr helfen. Nun war Hilfe zur Selbsthilfe geboten.
Die Mitarbeiter der Apotheke waren in dieser Zeit eine große Hilfe. Durch selbstlose Aufopferung versuchten sie, Medikamente bei den Firmen zu beschaffen. Diesen Mitarbeitern sei heute noch Dank. Ebenso den Ärzten Herrn Dr. Nyen und Herrn Dr. Dahm, welche die medizinische Betreuung der Bevölkerung im Bunker vollzogen. Hilfsbereitschaft wurde in dieser Zeit großgeschrieben. Der gemeinschaftliche Geist half allen, die Zeit zu meistern. Auch die Versorgung der Tiere durch Tierärzte war nicht garantiert, da diese eingezogen wurden oder in Gefangenschaft waren.
Deswegen kamen Kunden auch häufiger mit Fragen zu Tierkrankheiten in die Apotheke.
Die Bevölkerung fühlte sich gut aufgehoben. Das miteinander Arbeiten war vorhanden und bildeten ein harmonisches Ganzes. Nun folgte Gott sei Dank bald das Kriegsende. Die Versorgung mit Medikamenten war nach wie vor unzureichend. Man musste immer noch weite Wege zurücklegen um Medikamente zu besorgen. So kam es auch, dass ein Praktikant (Herr w. Sieber), eine Helferin und die Tochter des Chefs weite Wege zurücklegten um Medikamente zu beschaffen.(Teils auch mit dem Fahrrad und damit verbunden zerrissenem Hemd und einigen Schürfwunden.)
Aber nicht nur die Mitarbeiter der Apotheke auch die damals praktizierenden Ärzte und die gute Hebamme haben in dieser Zeit großes geleistet.
Nur langsam erholte sich die Wirtschaft und damit auch die Versorgung der Apotheke. Die große Wende in der Medizin war die Erfindung der Antibiotika, die auch bald für die Apotheke erhältlich wurden. Die Forschung und die Produktion blühten auf. Es war ein vollkommen neues Arbeiten als Herr Dr.Erich Kühling nach dem Tod von Herrn Matthias Schoemann die Apotheke übernahm. Herr
Dr. Kühling leitete die Apotheke bis zu seinem Tod 1978.
Danach übernahm Frau Apothekerin Jaspers die Leitung der Apotheke.
Ab dem Jahre 2005 leitete Herr Apotheker Brackmann die Hütten Apotheke.
Zum 01.06. 2017 übernahm Herr Rezai die Apotheke.Seit 2007 leitet er erfolgreich die Apotheke am Wanheimer Dreieck in Wanheim- Angerhausen. Der Filialleiter ist Herr Apotheker Tümer, Apotheker für Ernährungsberatung und Geriatrische Pharmazie und angehender Fachapotheker für Öffizienpharmazie.
Dieser kurze Bericht soll einen kleinen Einblick über die schweren Kriegszeiten eines Apothekers geben, der um das Wohl seiner Kunden besorgt war.
Auch in Zukunft soll der Kunde in der Apotheke im Mittelpunkt stehen und es wird alles getan um den Erhalt der Apotheke zu gewährleisten.